19. Dezember 2009
... Held in Strumpfhosen gesucht?
Heute, in einem schwedischen Bekleidungshaus. "Darf ich kurz eine Frage stellen?" Wem, mir? Bin ich Verkäuferin? Oder wird das hier eine ladeninterne Umfrage? Friedlich bleiben, sei nett, es ist Weihnachten, sage ich mir und hebe den Blick. Wow, will der eine Mützenberatung von mir oder ist das bunte Ding sein Ernst? Ist es - zumindest scheint die Mütze nicht sein größtes Problem zu sein: "Ich soll meiner Freundin eine Strumpfhose kaufen ... und ich weiß nicht, welche die richtige ist. Schwarz soll sie sein. Und blickdicht." Zwei Gedanken habe ich. Erstens: Dieser Mann muss etwas verdammt Schlimmes angestellt haben, dass ihn seine Freundin derart bösartig mit der Höchststrafe bedenkt - vielleicht ist er betrunken nach Hause gekommen oder wollte lieber Fußball gucken als mit seiner Schnecke Shoppen zu gehen? Zweitens: Was auch immer gewesen ist, er muss diese Freundin echt lieben, wenn er mehr oder weniger freiwillig (!) am vierten Adventssamstag (!) alleine (!) in die Wäscheabteilung (!) von H & M (!) stiefelt, um ihr eine Strumpfhose zu kaufen! Mitleid besiegt Mütze. Schließlich gehören Strumpfhosen für meinen Geschmack zu den schwierigsten Kleidungsstücken, die es gibt. Erst mal, weil sie in derart hippen Läden ja nicht einmal Strumpfhosen heißen, Strumpfhosen sind was für Omas, sondern den Namen "Tights" tragen. Da ging's ja schon los für den armen Kerl. Dann: Wolle, Baumwolle oder Nylon, schlicht oder gemustert, 15, 20, 40, 60, 80 oder 100 DEN (und was ist eigentlich DEN?), mit verstärkter Fußspitze oder ohne - oder vielleicht lieber ganz ohne "Füße" (dann wären's allerdings Leggings)? Und selbst, wenn man sie gekauft hat, machen Strumpfhosen nur Ärger: sie zwicken, sie rutschen, sie bekommen Laufmaschen - und falls irgendwann mal irgendjemand eine Frau beobachtet, die sich halbwegs elegant ein solches Ding an- oder ausziehen kann, bitte merken und weitersagen, wie das geht. Strumpfhosen sind in der Handhabung einfach unsexy, und ich finde es auch wirklich überhaupt nicht hilfreich, wenn sich Männer mit dieser Materie befassen müssen und sich irgendwann beim Anblick eines bestrumpften weiblichen Beins womöglich fragen, wie viel DEN die Tight wohl hat. Liebe Frauen, das ist doch nicht zielführend! Kauft eure Strumpfhosen gefälligst selbst! Ach ja: Wirklich helfen konnte ich dem guten Mann leider nicht. In Anbetracht der vielen Möglichkeiten sah er ein, dass seine Lage aussichtlos war. "Ich kann's ja nur falsch machen", sagte er, griff erst zu einer Baumwollstrumpfhose - und dann doch zum Handy. "Ich glaube, ich frag sie lieber." Sie wollte Nylon. War ja klar.
13. Dezember 2009
... macht Kokosnussmilch schwanger?
Heute mal wieder ein Eintrag, der mehr sinful als sinnvoll ist. Zuviel Besinnlichkeit ist ja auch nicht gut. Also, sowas hier nennt man wohl "false friends", auch wenn dieses Pärchen einem in der Schule meistens verschwiegen wurde:
5. Dezember 2009
... alles klar auf der Andrea Doria?
Kürzlich haben wir in geselliger Runde ausprobiert, wie lange man sich in Phrasen unterhalten kann. Es wurde ein weitgehend sinnfreies, aber heiteres und abendfüllendes Gespräch. Hier ein Auszug:
Und sonst so?
Muss ja. Und selbst?
Ja, auch.
Ganz schön kalt geworden.
Soll ja ein strenger Winter werden.
Der Sommer war ja auch nicht so doll.
Früher war eben alles besser.
Da war auch mehr Lametta.
Und bald steht wieder Weihnachten vor der Tür.
Dann mach' doch einfach nicht auf.
Na, da hat wohl jemand einen Clown gefrühstückt.
Nee, was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht.
Da sieht man wieder: man muss die Leute da abholen, wo sie sind.
Leider kann man den Menschen nur vor den Kopf gucken.
Tja: Reden ist silber, Schweigen ist gold.
Und stille Wasser sind tief.
Tja, man hat schon Pferde kotzen sehen ...
Stimmt, doch nachts sind alle Katzen grau.
Da bin ich ganz bei Dir.
In diesem Sinne: Tschüssikowski! Jetzt ist Schicht im Schacht, aus die Maus, Ende Gelände, Klappe zu, Affe tot!
P.S.: Wie lustig - das Posting hat sogar die Form eines Weihnachtsbaums! Das war natürlich Absicht. Ich bin einfach eine verdammt coole Sau, die man ruhig mal durchs Dorf treiben kann. Hilfe, ich kann nicht mehr aufhören ...!
Muss ja. Und selbst?
Ja, auch.
Ganz schön kalt geworden.
Soll ja ein strenger Winter werden.
Der Sommer war ja auch nicht so doll.
Früher war eben alles besser.
Da war auch mehr Lametta.
Und bald steht wieder Weihnachten vor der Tür.
Dann mach' doch einfach nicht auf.
Na, da hat wohl jemand einen Clown gefrühstückt.
Nee, was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht.
Da sieht man wieder: man muss die Leute da abholen, wo sie sind.
Leider kann man den Menschen nur vor den Kopf gucken.
Tja: Reden ist silber, Schweigen ist gold.
Und stille Wasser sind tief.
Tja, man hat schon Pferde kotzen sehen ...
Stimmt, doch nachts sind alle Katzen grau.
Da bin ich ganz bei Dir.
In diesem Sinne: Tschüssikowski! Jetzt ist Schicht im Schacht, aus die Maus, Ende Gelände, Klappe zu, Affe tot!
P.S.: Wie lustig - das Posting hat sogar die Form eines Weihnachtsbaums! Das war natürlich Absicht. Ich bin einfach eine verdammt coole Sau, die man ruhig mal durchs Dorf treiben kann. Hilfe, ich kann nicht mehr aufhören ...!
28. November 2009
... wo ist der Anti-Mob-Mopp?
Es gibt ja so Tage, an denen man das Gefühl hat, das Leben würde einen irgendwie mobben. Und manchmal sind das auch nicht nur Tage, sondern ganze Wochen - sozusagen Mobbing-Wochen. Ich glaube, da schwärmen dann von irgendwoher bösartige Kobolde aus, die die letzte Packung Brot aus dem Regal mopsen (oder eben mobbsen), die bestellte Ware abfangen und dann frech behaupten, sie wäre nicht mehr erhältlich, die andere Menschen so manipulieren, dass sie einfach immer nur noch "Nein" sagen oder wahlweise auf blind, taub, stumm (und dumm) schalten, die überhöhte Rechnungen schreiben, einem von morgens bis abends mit kleinen Hämmerchen von innen gegen die Schädeldecke trommeln oder andere fiese Dinge tun. Leider kann man sich da nicht so richtig gegen wehren - es gibt leider keinen Mopp, der den Ärger wegwischen könnte. Würde sich bestimmt gut verkaufen, so ein Anti-Mob-Mopp. Aber es gibt einen kleinen Trost: Man ist ja nicht allein, auch wenn es sich so anfühlt. Denn sogar Kühe leiden unter Mobbing. Die fühlen sich an ihrem Arbeitsplatz im Stall oft bedrängt, bekommen nicht genug Tränken für alle zur Verfügung gestellt und müssen auf harten Liegeplätzen statt auf weichen Matratzen ruhen. Kann man durchaus nachempfinden. Aber Kühe sind ja nicht doof, die wissen sich zu helfen: bei derartigem Mobbing haben sie eine einfache Anti-Mob-Strategie: sie geben weniger Milch (das stand jedenfalls so in der Zeitung). Blöd, dass Milchproduktion nicht so mein Fachgebiet ist. Tja, Kuh müsste man sein. Oder Mops.
22. November 2009
... möchten Sie es als Geschenk verpackt?
Mit Speck fängt man bekanntlich Mäuse - aber wen fängt man mit Anglizismen? Insel-Begabte, die im Meer der geistigen Leistungsfähigkeit auf dem Trockenen sitzen? Wenn das kein spitzenmäßiger Euphemismus war - ich finde, der könnte es glatt mit der wunderschönen Worthülle aufnehmen, die Katja mir freundlicherweise geschickt hat (für die Unschärfe des Bildes kann ich also nichts. Katja übrigens auch nicht, ein Blackberry ist nun mal nicht so toll wie ein Kamerahandy ...)
So. Hier will man also Kunden mit einer "Shopping-Bag" ködern. Nur: Was qualifiziert eigentlich eine handelsübliche Tasche dazu, in den Stand einer Shopping-Bag erhoben zu werden? Kann man sie besonders gut tragen? Ist gleich ein Chip für den Einkaufswagen mit dabei? Oder hat sie ein integriertes Fach für die Kreditkarte, das sich automatisch verschließt, wenn ein bestimmtes Limit überschritten wurde? Die Google-Bildersuche legt ja nahe, dass eine Shopping-Bag eine ganz schlichte Papiertüte mit Kordel-Henkeln ist, wie man sie zum Beispiel in Parfümerien oder Boutiquen bekommt - übrigens ohne dass da besonderes Tamtam drum gemacht würde. Das erinnert mich an den "Taschenkalender", den die freundliche Verkäuferin gestern in der Buchhandlung der Kundin an der Kasse in die Tüte steckte und bei dem es sich schlichtweg um eine visitenkartengroße Pappe mit der Monatsübersicht des nächsten Jahres handelte. Ich sag's ja: Es lebe der Euphemismus, besser noch der anglizistische Euphemismus. Aber vielleicht ist das eine neue Werbestrategie: Einfach mal alles anpreisen und in schöne Worte verpacken, was normalerweise als üblich gilt. Ich hätte da noch ein paar Werbeslogans kostengünstig abzugeben:
So. Hier will man also Kunden mit einer "Shopping-Bag" ködern. Nur: Was qualifiziert eigentlich eine handelsübliche Tasche dazu, in den Stand einer Shopping-Bag erhoben zu werden? Kann man sie besonders gut tragen? Ist gleich ein Chip für den Einkaufswagen mit dabei? Oder hat sie ein integriertes Fach für die Kreditkarte, das sich automatisch verschließt, wenn ein bestimmtes Limit überschritten wurde? Die Google-Bildersuche legt ja nahe, dass eine Shopping-Bag eine ganz schlichte Papiertüte mit Kordel-Henkeln ist, wie man sie zum Beispiel in Parfümerien oder Boutiquen bekommt - übrigens ohne dass da besonderes Tamtam drum gemacht würde. Das erinnert mich an den "Taschenkalender", den die freundliche Verkäuferin gestern in der Buchhandlung der Kundin an der Kasse in die Tüte steckte und bei dem es sich schlichtweg um eine visitenkartengroße Pappe mit der Monatsübersicht des nächsten Jahres handelte. Ich sag's ja: Es lebe der Euphemismus, besser noch der anglizistische Euphemismus. Aber vielleicht ist das eine neue Werbestrategie: Einfach mal alles anpreisen und in schöne Worte verpacken, was normalerweise als üblich gilt. Ich hätte da noch ein paar Werbeslogans kostengünstig abzugeben:"Limited Edition: Ihre Tageszeitung heute mit vollständigen Sätzen!"
"Nur bis zum 21.12.2012: Alle Pullover mit je zwei Ärmeln!"
"Sensationell! Fernseher diese Woche mit Bilddiagonale!"
"Sonderaktion diese Woche: Wer Äpfel kauft, bekommt dazu das Kerngehäuse for free!"
"Nur bis zum 21.12.2012: Alle Pullover mit je zwei Ärmeln!"
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"Sonderaktion diese Woche: Wer Äpfel kauft, bekommt dazu das Kerngehäuse for free!"
15. November 2009
... neue Frisur, neues Glück?
Wer sich mal so richtig zum Gesprächsthema machen möchte, dem sei einfach ein neuer Haarschnitt empfohlen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass dann die Gerüchteküche brodelt wie ein isländisches Geysir, mein lieber Scholli. Muss ja schließlich eine Bedeutung haben, wenn Frauen neue Frisuren wagen. Neuer Freund, neuer Job, neues Leben? Neue Pläne, neue Ziele? Und wovon trennt sie sich wohl als nächstes, welche alten Zöpfe schneidet sie noch ab? Ein großes Rätsel! Mindestens so groß wie jenes, vor dem ich nun stehe: Plötzlich werden meine Sätze einsortiert in "Passt zu deiner neuen Frisur" oder "Solche Aussagen gehen jetzt nicht mehr". Hä? Passen, wozu? Leute, das sind nur Haare! Totes Material, keine geheimen Sonderbotschafter meines Ichs! Interessanterweise reagieren besonders Männer verunsichert. Schließlich täte ich ja nichts einfach so, sondern lasse immer einen Sinn hinter jeder Handlung vermuten. Das ist ja sehr schmeichelhaft - aber kann der Sinn vielleicht ganz profan in der Vereinfachung liegen? Und zwar nicht im allumfassenden Sinne von "Simplify your life", sondern schlicht im "Spare Zeit beim Föhnen"? Oder darin, nach gefühlten 15 Jahren mal einen leicht veränderten Schnitt auszuprobieren? Man stelle sich vor, manchmal kaufe ich mir auch ganz tollkühn eine neue Sorte Wurst und sortiere trotzdem nicht gleich mein ganzes Weltbild neu. Zugegeben, Haare sind nicht Wurst, sondern doch ein bisschen wichtiger. Und ebenfalls zugegeben: Es gibt Frauen, die sich einen neuen Haarschnitt verpassen lassen, wenn sie zum Beispiel eine neue Beziehung haben. Das ist schon seit Rapunzel so: Ist erst mal ein Prinz am Zopfe der Frau hinauf geklettert, kann sie sich eine Menge Haarpflege sparen, indem sie das Haar einfach abschneidet - und gleichzeitig hat sie damit dem Prinzen auch noch den Rückweg abgeschnitten. Mir hingegen, das sei zu jedermanns Beruhigung gesagt, hat der Friseur zwar ordentlich den Kopf gewaschen - aber nur oberflächlich. Unter den Haarwurzeln ist alles noch wie immer.
8. November 2009
... gleich oder ungleich?
Supermärkte sind in der Regel bemüht, die Waren in den Regalen so zusammenzustellen, dass sie zueinander passen. Der Tee neben dem Kaffee, das Waschpulver neben dem Weichspüler, das Shampoo neben der Haarspülung. Man hofft dabei auf den "Mitnahme-Effekt": Wenn man das eine braucht, nimmt man das andere vielleicht auch gleich noch mit. Doch bei folgender Anordnung kam ich ins Grübeln:
Wie ist das jetzt gedacht? Für IHN und für SIE? Für Paare und für die Nachbarn? Oder sind wir hier in der Abteilung "Alles, was schützt?" oder "Hilfsmittel, die Öffnungen verschließen?" oder ... Oh, Verzeihung. Wir sind ja jugendfrei hier. Also, ob gleich oder ungleich, auf jeden Fall nicht jetzt, sondern später am Tage im Programm - und solange gehen wir davon aus, dass es sich ganz bestimmt um ein rein zufälliges Arrangement handelt.
1. November 2009
... gibt es gute und schlechte Grüße?
Seid gegrüßt, liebe Leserinnen und Leser, zu einer frischen, neuen Kolumne! Gegrüßt aus Hamburg, möchte ich ergänzen, denn das scheint man jetzt ja so zu machen: Elektronische Grüße werden bevorzugt mit Ortsangabe versandt. Vermutlich gilt das als Ausdruck von Flexibilität, Mobilität und unglaublicher Strebsamkeit, wenn man heute aus Berlin, morgen aus München und nächste Woche aus der Nervenheilanstalt grüßt. Außerdem sind die "Grüße vom Flughafen Dubai" an Coolness natürlich kaum zu überbieten - es sei denn, man schickt "Grüße mit 300 Sachen von irgendwo zwischen Tokyo und Osaka" oder noch besser: "Grüße aus der Flugzeugtoilette (übrigens auch von meinem Freund / meiner Freundin)". Damit kommen wir gleich zu einer Warnung: Manche Dinge möchten andere Menschen vielleicht gar nicht so genau wissen. "Grüße aus dem Zugklo" zum Beispiel sind nicht sexy. "Grüße von der linken Spur der Autobahn" auch nicht, wenn man selbst am Steuer sitzt. Und die abgehusteten "Grüße aus dem Krankenbett" kann man sich (und anderen) genauso sparen wie "Viele Grüße aus der Umkleidekabine". Überhaupt: Wieso eigentlich viele Grüße? Reicht einer nicht? Steigt der Sympathielevel mit der Anzahl der gesendeten Grüße? Ich frag' ja nur! Seit die Floskel "Mit freundlichen Grüßen" durch die zunehmende Flapsigkeit der elektronischen Kommunikation beinahe zur formvollendeten Unfreundlichkeit mutiert ist, weiß ich ja selbst nicht mehr, wie man eine schriftliche Unterhaltung beenden soll. Beste Grüße? Habe noch nie gehört, dass es gute und schlechte Grüße gibt. Schöne Grüße? Und was wären dann hässliche Grüße? Liebe Grüße? Die sind doch ausschließlich Menschen vorbehalten, die sich auch schon mal außerhalb der beschlipsten Zone gesehen haben. Also doch viele Grüße? Oder der Einfachheit halber "VG"? Oder schlicht "xG", wobei "x" eine Unbekannte ist, die der Empfänger nach Belieben ersetzen kann - das wäre doch praktisch. Na ja, vielleicht muss ich da doch noch eine Weile drüber nachdenken. Derweil sende ich allerherzlichste Grüße vom nicht-mobilen Computer aus meiner Wohnung mitten im bewölkten und bald sogar dämmerigen aber dennoch farbenfroh herbstlichen Hamburg.
25. Oktober 2009
... wie viel Wahrheit steckt in Sprache?
Die Situation war typisch: Er sagt: "Na, um was spielen wir, was ist der Einsatz?" Sie sagt: "Ach, wir müssen doch keinen Wettkampf draus machen, oder?" Und er sagt nur: "Feigling." Aus diesem Wortwechsel habe ich zwei Dinge gelernt. 1.: Wenn du willst, dass ein Mann richtig aktiv wird, mach einen Wettbewerb mit Aussicht auf Gewinn draus. Beispiel: "Der Max war neulich mit der Heike drei Stunden bei IKEA, Möbel gucken. Also, wenn du das auch solange aushieltest, würde ich dir dafür eine Portion Köttbullar ausgeben." 2.: Wenn du dich mit Frauen unterhältst, achte auf das richtige Vokabular. Feigling zum Beispiel ist immer männlich, es gibt weder die Feigling, noch Feiglingin. Ist mir zum ersten Mal bewusst geworden. Ja, ich weiß, man könnte das kleinlich nennen, aber Vorsicht: Es heißt DER Korinthenkacker und von einer Kackerin habe ich noch nie etwas gehört. Das Wort scheint also Männern vorbehalten zu sein. Ich bin keiner. Darum kann ich zum Beispiel auch kein Suppenkasper und kein Zappelphilipp sein. Höchstens eine Philippinin, aber dafür müsste ich meine Staatsbürgerschaft ändern. Was Frauen außerdem (rein sprachlich betrachtet) gewiss nicht sein können: Dummköpfinnen. Trottelinnen. Deppinnen. Hanswurstinnen. Blödmännerinnen. Und so weiter. Ich bin mir sicher: Es hat einen triftigen Grund, dass es von manchen Begriffen einfach keine weibliche Form gibt. Sprache ist eben auf unserer Seite. Ist ja auch DIE Sprache.
18. Oktober 2009
... kann man da nichts machen?
Ach herrje. Nun war ich dieses Wochenende wieder nicht Bungeejumpen. Ich habe auch keinen Kurztrip nach Paris gemacht, ja nicht mal einen Kurs im Molekularkochen belegt. Stattdessen habe ich nichts gemacht. Was so natürlich nicht stimmt; ich habe Wäsche gewaschen (dunkle Farben), eingekauft (Zahnpasta und Handschuhe), eine Stunde Smalltalk mit einer Verabredung gehalten (gefühlt wie drei Stunden), ich habe gekocht (Rouladen), gelesen ("An einem Tag wie diesem") und ferngesehen (nur Arte, is' ja klar). Das alles ist natürlich nicht nichts. Es ist nur nichts, was irgendwie interessant wäre, sondern die Spannung eines abgeschalteten Reaktors hat. Das ist super, wenn man sowieso schon die ganze Woche unter Strom steht - aber du liebe Zeit, was soll ich morgen bloß wieder erzählen, wenn die Leute mich fragen, was ich am Wochenende gemacht habe? "Nichts"? Erbärmliches Leben! "Entspannt"? Gääähn! Wer kein Macher ist, trägt doch gleich den Stempel Nichtsnutz auf der Stirn - nichts zu machen. Anstrengend, dieser Freizeitstress. Wenn es nach mir ginge, würde man das Nichtstun viel mehr kultivieren. Nichts für ungut, aber wenn einer anruft und fragt "Was machst du gerade?", und man antwortet "Nichts", dann sollte das Neid erzeugen, nicht Mitleid. Etwa so: "Wow, sie macht nichts, das muss man sich ja auch erst mal leisten können." Das Nichtstun braucht einfach einen anderen Beiklang. "Ich mache nichts" muss so klingen wie "das macht nichts" - das hören wir doch auch alle gern. Ist doch nichts dabei!
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